Voraussetzung für eine erfolgreiche Gründung.

Mythen über die Existenzgründung.

Richtig oder falsch?

Diese Ausgabe unserer Reihe „Know-how für Existenzgründer“ beschäftigt sich mit der Entscheidungsfindung über die Existenzgründung selbst: Soll ich es denn generell wagen? Oder sprechen gewichtige Gründe dagegen?

 

Eines ist sicher: Den grundsätzlichen Entschluss „Ja oder Nein“ und – wenn Ja – in welcher Form Sie starten, sollten Sie nicht auf Vorurteile, auf die Meinungen von anderen aufbauen. Es gibt nämlich einige „Mythen“, die sich über Jahre gehalten haben und die immer noch durch die Existenzgründerlandschaft geistern.

 

Wir wollen Ihnen einige Mythen vorstellen und diese auf ihren Wahrheitsgehalt abklopfen.

Mythos Nr. 1:
Man braucht einen Studienabschluss oder ähnliches, um zu gründen.

 

Viele sind der Meinung, dass man als Gründer unbedingt einen bestimmten Abschluss benötigt, einen klingenden Titel, ein Zertifikat usw. Nur dann würde man als Selbstständiger ernst genommen und nur dann ließen sich Kunden gewinnen.

 

Stimmt das denn wirklich?

 

Die Antwort ist ein klares „Jein“. Es hängt natürlich auch von der Branche ab, in der das Unternehmen tätig sein wird. Es gibt natürlich Branchen oder Tätigkeiten, bei denen ganz bestimmte Voraussetzungen vorliegen oder Nachweise erbracht sein müssen.

 

Aber in der überwiegenden Zahl der Fälle gibt es diese Vorschriften eben nicht: Sie können gründen – ganz gleich, ob Sie den höchsten Uni-Abschluss haben, ob Sie den Meisterbrief haben, usw. Unter dem Strich kommt es darauf an, intelligent in die Selbstständigkeit zu starten, die richtige Vorbereitung und Planung getroffen zu haben und das „richtige Händchen“ für den Markt, die Kunden und das gesamte eigene Unternehmen zu haben.

 

Ein Titel, ein Abschluss oder bestimmte Zertifikate können hilfreich sein – notwendig sind sie für die meisten Unternehmensgründungen aber nicht.

Mythos Nr. 2:

Man muss sofort in Vollzeit selbstständig sein.

 

Oft findet man die Einstellung, dass nur ein Vollzeit-Selbstständiger ein richtiger Selbstständiger oder ein richtiger Unternehmer ist. Nur wer alles riskiert und ins kalte Wasser springt, hat etwas geleistet und gilt in den Augen der anderen als erfolgreich.

 

Stimmt das denn wirklich?

 

Auch hierbei handelt es sich um einen Mythos, der einen Funken Wahrheit beinhaltet. Natürlich können Sie sich als Vollzeit-Selbstständiger von Anfang an ganz auf Ihre Aufgaben konzentrieren als bei einer – zunächst – nebenberuflichen Gründung. Wenn nebenberuflich gegründet wird, besteht durchaus die Gefahr, dass man nicht alles dafür gibt und es auf Grund des sicheren Hauptjobs etwas schleifen lässt bzw. schleifen lassen muss.

 

Trotzdem ist die Aussage, dass beim Start nur die Vollzeit-Selbstständigkeit der richtige Weg ist, falsch. Nicht jeder weiß, ob er für die Selbstständigkeit wirklich geschaffen ist. Und natürlich weiß man nicht immer, ob die Geschäftsidee wirklich zündet und sich ein profitables Business daraus entwickelt. Und selbst wenn, dauert es natürlich eine Weile, bis man damit wirklich (gutes) Geld verdient.

 

Hier bietet die nebenberufliche Selbstständigkeit eine Chance, mit weniger Risiko die ersten Schritte zu wagen.

Wenn es nicht läuft oder Sie merken, dass es doch nicht das Wahre ist, können Sie oft relativ problemlos wieder damit aufhören. Gefällt es Ihnen und Sie möchten den Weg weitergehen, dann können Sie Ihren Job kündigen und in Vollzeit selbstständig sein.

 

Je nach den eigenen Voraussetzungen und den eigenen Plänen kann ein Start als nebenberuflich Selbstständige(r) oft durchaus die bessere Variante sein.

Mythos Nr. 3:

Man muss ein Top-Experte in seiner Branche bzw. auf seinem Fachgebiet sein.

 

Viele stellen sich nicht auf eigene Füße, weil sie der Meinung sind, dass man ein Top-Experte auf seinem Gebiet sein muss, um sich selbstständig zu machen. Schließlich gibt es bereits viele Wettbewerber auf dem Markt. Und wenn man deren Homepage, die Werbung oder deren Präsentationen sieht, dann scheinen da nur hervorragende Experten unterwegs zu sein.

 

Stimmt das denn wirklich?

 

Dieser Mythos ist falsch. Es ist nicht notwendig, der absolute Experte zu sein. Wenn nur solche Experten gründen würden, dann gäbe es nicht viele Selbstständige.

 

Der Werbung und den Darstellungen sollten Sie nicht immer glauben, denn Trommeln gehört zum Handwerk. Sie sollten sich nicht von großspurigen Aussagen oder Texten blenden lassen.

 

Aber ganz klar: Man sollte schon Ahnung von dem Thema haben, worin man sich selbstständig macht. Das ist keine Frage. Doch Sie müssen z. B. nicht der beste Webdesigner der Welt sein, um sich als Webdesigner selbstständig zu machen. Wie groß müssen also die Fachkenntnisse sein? So groß, dass Sie Ihre ersten Kunden gut bedienen können, dass sie sehr zufrieden sind und Sie eventuell weiterempfehlen. Dies muss gewährleistet sein.

 

Nicht zu unterschätzen: Sie lernen natürlich in der Selbstständigkeit immer mehr dazu und werden immer besser. Training on the job! Fazit: Nicht warten, bis Sie der beste Experte der Welt sind. Viele warten ewig und nichts geht voran. Sie sollten Ihren Job beherrschen und ein gutes Know-how mitbringen. Sie müssen aber beim Gründen nicht der absolute Experte sein.

Mythos Nr. 4:

Die Aussicht auf ein hohes Einkommen ist Motivation genug.

 

Wir alle hören und lesen oft von tollen Erfolgsgeschichten nach dem Start in die Selbstständigkeit. Es ist immer wieder die gleiche Botschaft: „So wurde ich mit meinem Unternehmen in ganz kurzer Zeit Millionär.“ Geld war schon immer ein großer Motivator und viele Gründer starten vor allem mit der Motivation, mehr bzw. viel Geld verdienen zu wollen in ihrer Selbstständigkeit.

 

Stimmt das denn wirklich?

 

Geld kann natürlich ein sehr guter Motivator sein. Dies gilt vor allem für erfolgreiche Zeiten wenn viel Geld verdient wird und man dadurch – endlich – für seine viele Arbeit belohnt wird.

 

Nur: Geld allein kann nicht auf Dauer motivieren – man gewöhnt sich sehr schnell daran. Wer sich nur durch Geld motivieren kann, wird deshalb über kurz oder lang ein Problem bekommen.

 

Deshalb sollte Ihre Motivation zur Existenzgründung aus mehreren Gründen bestehen – nicht nur des Geldes wegen. Es gibt sehr viele andere Motivatoren: Die eigenen Ideen verwirklichen, flexible Gestaltung der Arbeitszeit, sein eigener Chef sein, usw.

 

Geld sollte wichtig sein, doch es darf nie der einzige und nie der wichtigste Grund zur Existenzgründung sein. Geld als einer der Gründe unter einigen anderen.

Mythos Nr. 5:

Einmal selbstständig, immer selbstständig. Da gibt es kein Zurück.

 

Einige Existenzgründer haben die Meinung, dass der Schritt in die Selbstständigkeit endgültig ist. Wer einmal selbstständig ist, kann nicht mehr zurück.

 

Stimmt das denn wirklich?

 

Dazu ein eindeutiges „Nein“:

 

Es kann sein, dass das eigene Unternehmen doch nicht so erfolgreich ist oder dass in der Selbstständigkeit doch nicht die gehegten hohen Erwartungen realisiert werden. Es gibt leider keine Garantien in der Selbstständigkeit. Nur weil es aktuell gut läuft, muss das in drei Jahren nicht auch noch so sein.

 

In den meisten Fällen ist es möglich, wieder in eine feste Anstellung zurückzukehren. Es gibt viele Arbeitgeber, die den Versuch einer Selbstständigkeit und die erworbenen Erfahrungen honorieren, weil sie Leute suchen, die unternehmerisch denken und aktiv sind.

 

Aber: Besonders nach längerer Selbstständigkeit könnte die Rückkehr in einen festen Job nicht ganz so einfach sein. Denn dann ist die Wahrscheinlichkeit relativ groß, dass man es nicht mehr gewohnt ist, einen Chef zu haben und dass man nicht mehr selbst alles entscheiden kann. Hier ist dann eine gewisse Flexibilität notwendig.

 

Fazit: Grundsätzlich ist eine „Rückkehr“ möglich. Die vielen Erfahrungen und Kenntnisse, die man sich während seiner Selbstständigkeit angeeignet hat, sind für viele Unternehmen sehr interessant.

 

 

Viel Erfolg!

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