Die Bank und Ihr Businessplan.

Wie liest die Bank Ihren Businessplan?

„Wie liest die Bank einen Businessplan – meinen Businessplan?“

 

Diese Frage sollte man sich als GründerIn immer schon beantwortet haben, bevor man anfängt, seinen Geschäftsplan für die Bank zu erstellen (oder erstellen zu lassen).

 

Dabei gilt es, nicht zu pessimistisch an die Sache heranzugehen, doch auch nicht mit zu vielen Erwartungen. Im Folgenden finden Sie einige Aspekte und Gedanken.

Erste Überlegungen: Bankdarlehen vs. Venture Capital.

 

Wie will ich als Gründer an Geld kommen? Folgender Satz ist sehr bekannt: „Banken halten Dir den Regenschirm hin, wenn es sonnig ist und ziehen ihn wieder weg, wenn es regnet“. Doch ganz so schwarz-weiß sollte man die Bankenwelt vielleicht nicht sehen: Kredite sind nur an eine vorher fixierte Gegenleistung gebunden und die ist: Zins. Der Gewinn der Bank ist also vorher für jeden berechenbar und erhöht sich später nicht, auch wenn die Unternehmung besonders erfolgreich sein sollte. Auch fuchtelt eine Bank normalerweise nicht im Geschäft des Unternehmers herum.

 

Anders sieht es bei Venture Capital-Gebern aus: In der Regel geben die Gründer Anteile ihres Unternehmens, die an jährliche Dividendenausschüttungen gekoppelt sind, ab. Man profitiert bei der Gründung einerseits zwar (zunächst) von der Beratung und den Kontakten der VCs, damit vielleicht auch von einem schnellen Anfangswachstum. Andererseits greifen diese allerdings auch aktiv in das Geschäftsgeschehen ein. Monatsreports und Rechtfertigungszwang inklusive. Einem Existenzgründer, der sein ganzes Herzblut in die Gründung steckt, dürfte das sicher übel aufstoßen.

 

Haftungsrisiken

 

Bei einer Bank erhalten Unternehmen i.d.R. nur einen Kredit, wenn der Unternehmer persönlich haftet. Unabhängig von der Rechtsform! Holt man sich das Geld von Business Angels und VCs haftet der Unternehmer dagegen nicht persönlich.

 

Banker als kaufmännische Berater nutzen

 

Viele (größere) Banken haben mittlerweile ein eigenes Kompetenzzentrum für Existenzgründer, das „GründerCenter“, aufgebaut. In diesem nehmen Banker auch eine Art Beraterrolle ein. Sicher sind sie die falschen Personen, wenn es darum geht, ein nie dagewesenes Konzept zu bewerten. Anders sieht es aber aus, wenn man - zumindest teilweise - belastbare Zahlen vorweisen kann. Das können zum Beispiel logisch hergeleitete Umsatzvoraussagen sein, die per Befragung am „Point Of Sale“ geführt wurden. Im „Zahlen auf Ergiebigkeit prüfen“ sind die Damen und Herren Banker spitze. Warum also nicht auch die kaufmännische Expertise nutzen? Viel zu selten, so die Meinung von vielen Bankern, kommen die Kreditnehmer auch nach der Kreditvergabe zu ihnen und nehmen Beratung in Anspruch. Dabei haben die Berater für Existenzgründer deutlich mehr Zeit, als im regulären Geschäft.

 

Welche Voraussetzungen müssen erfüllt sein, um einen Kredit zu bekommen?

 

Bei den Gründern existieren viele falsche Klischees gegenüber Banken. Die wichtigsten Eignungen, die die Banken an ihre zukünftigen Kreditnehmer stellen, sind:

 

  • berufliche Qualifikation
  • kaufmännisches Know-How und
  • Tragfähigkeit des Businessplans.

 

Der erste Punkt wird begründet mit dem harten Qualifikationsraster der KfW, die Ausfallrisiken der Banken absichert und bei der sich die Banken meistens selbst das Geld für das Darlehen holt.  Als reiner Techniker kann man die zweite Bedingung dadurch ganz gut erfüllen, wenn man schon bei Beantragung einen „kaufmännisch fähigen“ Mitarbeiter vorweist oder sich einen solchen ins Gründungsteam holt.

 

 

 

Ich habe keine Sicherheiten, was nun?

 

 

Sicherheiten seien selten der Grund, weshalb ein Kreditantrag abgelehnt wird. So zumindest die Botschaft der Banken. In der Tat gilt es zu bedenken: Durch Förderprogramme der KfW (und regionalen staatlichen Bürgschaftsbanken) sind i.d.R. etwa 80% des Ausfallrisikos für die Banken abgedeckt. Dadurch will man von staatlicher Seite natürlich die Kreditvergabe an risikoreichere Vorhaben ausweiten. Um die Ausfälle – die am Ende die Steuerzahler tragen – zu minimieren, müssen die Banken noch weitere Anforderungen an ihre Kreditnehmer stellen, als nur die berufliche Eignung.

 

Ein wichtiger Punkt ist natürlich, wenn man ...

 

Eigenes Kapital

 

mitbringt. Umso mehr Eigenkapital der Gründer von sich aus mitbringt, umso höher der mögliche Kredit. Aus dem Verhältnis von Eigenkapital zum Fremdkapital ergeben sich einige betriebswirtschaftliche Finanzierungsregeln, die von Gründern unbedingt beachtet werden sollten. Finanziert man das eigene Unternehmen mit zu viel Fremdkapital, wirkt die Zinslast auf Dauer oft erdrückend und in wirtschaftlich schwächeren Zeiten sind solche Unternehmen sehr schnell zahlungsunfähig. Seit einigen Jahren hat sich die durchschnittliche Eigenkapitalquote von ca. 10% auf einen Wert um rund 20% erhöht. Eine Lehre, die man aus der „Finanz- und Währungskrise“ (2007 bis etwa 2010) gezogen hat.

 

Öffentliche Förderprogramme sehen deswegen meist ein einzubringendes Eigenkapital von mindestens 10% bis 15% vor. Es ist auf jeden Fall gut, wenn Sie diese Quote an Eigenkapital aufbringen könnten, keine Frage.

 

Was tun ohne eigenes Kapital?

 

Unsere Erfahrungen: Selbst ohne Eigenkapital sollte man als Gründer den Businessplan erarbeiten lassen und einen Darlehensantrag stellen. Es gibt viele Fälle, die die Banken überzeugt und bei denen ein Darlehen ausgereicht wird, ohne dass der Gründer ein Eigenkapital vorweisen kann.

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